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Mufab Sven Heinze, Moritz Schippers

AACHEN. Nicht immer über alles lange nachdenken, einfach machen: Nach dieser Devise packt Nana Tholen die Dinge gerne an. Auch, oder eben gerade weil sie mit einer Einschränkung lebt.

Mufab Sven Heinze, Moritz Schippers

AACHEN. Nicht immer über alles lange nachdenken, einfach machen: Nach dieser Devise packt Nana Tholen die Dinge gerne an. Auch, oder eben gerade weil sie mit einer Einschränkung lebt. Tholen ist sehgeschädigt. Ihre Sehkraft liegt bei etwa zehn Prozent.

von Martina Feldhaus AN 6.6.2014

Das linke Auge ist etwas stärker, rechts sieht sie nur noch die Peripherie, wie sie erklärt. Ganz ähnlich geht es ihrer siebenjährigen Tochter Marlene. Beide können sich ganz normal im Alltag bewegen, die Bilder des Alltags aber bleiben unscharf.
Als die Tholens im vergangenen Jahr ein Klavier geschenkt bekamen, stand für Nana Tholen fest: Jetzt musst Du es lernen. Schon immer hatte sie vom Klavierspielen geträumt. Im Studium lernte eine Freundin das Fach, auch in ihrer WG stand dieses Instrument, von dem für die Förderschullehrerin seit Kindertagen eine Faszination ausging. Aber wie Klavier spielen lernen, wenn man die Noten kaum oder gar nicht lesen kann?

Tholen packte die Sache beherzt an. Individuelle Lösungen muss es doch wohl geben, sagte sie sich. Sowohl für sie, als auch für ihre Tochter. Also machten sie sich gemeinsam auf die Suche. „Leider war das nicht so erfolgreich“, erzählt Tholen. „Zwar hat keiner explizit ‚Nein‘ gesagt. Aber man spürte doch, dass es kompliziert werden könnte. Ich hatte nicht das Gefühl, das man auf uns eingehen wollte.“
Jetzt sitzt Nana Tholen im Flur der „Mu‘Fab“ am Grünen Weg, der privaten Musikschule in Aachen, bei der sich jede Menge Musiker als Dozenten tummeln, die sich in Aachen und darüber hinaus bereits einen Namen gemacht haben. Ob Schlagzeug oder Geige, Gitarre oder Gesang, das alles kann man am Grünen Weg lernen – von Anfang an. Auch das Klavierspielen.
Es ist Donnerstagnachmittag, gerade eben ist die wöchentliche Stunde von Marlene zu Ende gegangen, Nana Tholen war bereits mittags dran. Seit Februar üben sie in der „Mu‘Fab“, hier sind sie sofort mit offenen Armen empfangen worden. „Ich habe einfach eine E-Mail geschrieben und ohne großen Rückfragen hieß es gleich: Wir probieren das.“ So ganz ohne Scheu, das war Tholen auf ihrer Suche noch nicht begegnet.
Horst Schippers von der „Mu‘Fab“ kann das kaum nachvollziehen. „Ob nun jemand eine Sehschädigung hat oder nicht: Als Lehrer muss ich immer für jeden individuelle Lösungen finden, um ihn an das Instrument heranzuführen“, sagt der Profi-Schlagzeuger. „Wir stellen immer die Frage: Wo steht derjenige? Was braucht er? Und dann geht‘s los.“ So selbstverständlich läuft es noch nicht überall, weiß Nana Tholen. Deshalb ist sie umso glücklicher, mit ihrer Tochter nun offene Ohren und flexible Köpfe gefunden zu haben. Nicht lange denken, sondern machen, Praxis statt Theorie. So kann gelebte Inklusion aussehen, also das selbstverständliche Zusammenleben- und arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung.
Das Wort „Inklusion“ wollen aber weder Tholen noch Horst Schippers und die beiden Klavierlehrer Moritz Schippers und Sven Heinze zu hoch hängen. Ihnen geht es um die Sache. Und die läuft prima. Etwa bei Marlene. „Wir haben wie immer am Anfang erstmal Töne gehört. Da spielt das Sehen keine Rolle“, erklärt Moritz Schippers. „Wir arbeiten über das Gehör und ahmen Melodien nach. Man kann viel über das Hören und das Musik fühlen erreichen.“ Bekannte Kinderlieder wie „Hänschen klein“ und „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ eigneten sich da gut.
Bei Nana Tholen stehen die Noten schon deutlicher im Fokus. „Die sind ja auch hilfreich, um Melodien zu behalten“, sagt Sven Heinze. Er hat für die Unterrichtsstunden gemeinsam mit seiner Schülerin Schritt für Schritt lesbare Noten zusammengebastelt. So stehen jetzt auf einem quer gelegten DIN A 4-Blatt nur noch zwei Notensysteme, also zwei Reihen mit den typischen Notenlinien. Alles wurde deutlich vergrößert. Und außerdem gibt‘s graue und schwarze Noten. So unterscheidet Nana Tholen Noten, die direkt auf den Linien oder im Zwischenraum liegen. Auch bei Akkorden sind die beiden schon angekommen, die sind – im wahrsten Sinne des Wortes – einfacher zu lesen.
Nana Tholen will von Klassik bis Pop möglichst viel lernen. „Das macht einfach viel Spaß“, sagt sie. Da nickt auch Marlene eifrig. Auch wenn es bei den beiden etwas länger dauert: Sie spielen Klavier. Sehschädigung hin oder her.

AACHEN. Ganz viel Musik und ganz viel Gewusel: Das wünschen sich Horst Schippers und Thomas Berndt für den morgigen Samstag.

AACHEN. Ganz viel Musik und ganz viel Gewusel: Das wünschen sich Horst Schippers und Thomas Berndt für den morgigen Samstag. Dann feiern die beiden Gründer der „Mufab“ am Grünen Weg mit vielen Schülern und Dozenten, Freunden und Verwandten, Fans und Interessierten das zehnjährige Bestehen ihrer Musikschule.

von Martina Feldhaus


„Es wird drei Bühnen geben. Eine draußen im Hof, eine im großen Saal und noch eine kleine Bühne oben“, sagt Schippers. „Und überall treten Bands und Musiker auf, spielen auch parallel. Wir wollen, dass das ganze Haus Musik ist.“
Instrumente und Vocal-Coaching
Ein Wunsch, der in Erfüllung geht. Denn zum Jubiläum haben sich elf Bands und Musik-Ensembles angesagt, die für ein ohrenlastiges Programm sorgen. Die meisten sind Dozenten der Mufab, von denen viele in Aachen und darüber hinaus bekannt sind.

Da ist etwa Heiko Wätjen vom Lagerfeuer-Trio, der in der Musikschule Bass und Kontrabass unterrichtet und Bands coacht, da sind zum Beispiel Gitarrist Tilmann Schneider und Pianist Moritz Schippers. Neben Unterricht an Schlagzeug, Harfe, Saxophon und vielem mehr gibt‘s in der Mufab Vocalcoaching und musikalische Frühförderung. Am Samstag soll eben diese Vielfalt von 14 bis 22 Uhr in und an der Musikschule gefeiert werden. Neben einem Mini-Konzertfestival ist der Tag auch ein Tag der offenen Tür, bei dem Schüler und Schülerbands auftreten und sich Interessierte informieren können. Auch für Kinderprogramm ist gesorgt, unter anderem mit dem Schülerzirkus Configurani und einer Hüpfburg.
Thomas Berndt, Horst Schippers und Markus Bothe haben die Mufab vor zehn Jahren gegründet. Eigentlich ist die Geschichte der Musikschule aber schon etwas älter. Die drei lernten sich während des Studiums am Conservatorium Maastricht kennen und begannen 2000 mit den ersten Unterrichtsstunden am Grünen Weg, um ihre Begeisterung für die Musik weiterzugeben. Nach und nach nutzten sie dort immer mehr Räume, schließlich wurde das Gebäude komplett zur Musikschule ausgebaut und saniert, größtenteils in Eigenarbeit. Schippers: „Wir wollten eine Musikschule mit Tageslicht. Ein Gebäude, das nur für Musik gemacht ist – abseits der üblichen Proberäume in Bunkern.“
Im November 2004 war es dann soweit: Als „Musikfabrik“ eröffneten die eingefleischten Musiker ihre Schule, wegen einer Namensgleichheit mit einem Kölner Orchester mussten sie aber umswitchen und nannten sich ab dann einfach „Mufab“. Heute kommen rund 500 Schüler zum Unterricht an den Grünen Weg, sie werden von rund 35 Dozenten in 16 Räumen unterrichtet. Sogar eine eigene Bigband mit 25 Mitgliedern hat die Musikschule.
Am Samstag soll all das mit viel Musik begangen werden. Und als ob zehn Jahre Jubiläum nicht reichen, gibt es noch etwas zu feiern: Die Mufab-CD, ein Sampler aus Stücken von Mufab-Künstlern, wird an diesem Tag erstmals präsentiert. „Es ist eine Art ‚Sound of Mufab‘“, freut sich Thomas Berndt. „Wir zeigen damit, dass hier richtig coole Musiker am Start sind.“
Finanziert haben er und seine Mitstreiter die Produktion über das sogenannte Crowdfunding, also eine Schwarmfinanzierung per Internet. Schippers: „Das war sehr erfolgreich. Ich hätte nicht gedacht, dass manche so große Beträge spenden.“ 15 Musikbeiträge sind auf der CD zu hören, von Hardrock über Techno bis zu Harfenmusik ist alles dabei.
Und vielleicht kauft ja auch Manfred Leuchter gleich mal eine. Denn der erfolgreiche Komponist, Produzent und Akkordeonspieler hat sich kurzfristig noch für Samstag angekündigt – musizierend versteht sich. Schippers: „Für ihn finden wir noch ein Plätzchen.“

Die MUFAB Macher - Horst Schippers und Thomas Berndt

Mit einer großen Party und viel Live-Musik begeht die mufab Anfang September ihr zehntes Jubiläum.

Die MUFAB Macher - Horst Schippers und Thomas Berndt

Mit einer großen Party und viel Live-Musik begeht die mufab Anfang September ihr zehntes Jubiläum. Seit ihrer Gründung hat sich Aachens größte private Musikschule kontinuierlich weiterentwickelt.

Von Christoph Löhr /KLENKES 9/14

Am Anfang stand eine Idee, eine Vision von einem ganz besonderen Ort. Während des Studiums am Conservatorium Maastricht hatten sich Horst Schippers, Thomas Berndt und Markus Bothe kennengelernt. Später spielten die drei Musiker gemeinsam in der Tinseltown Rebellion Band, einer weit über die Stadtgrenzen Aachens hinaus bekannten Zappa-Coverband.

Ungefähr in dieser Zeit entstand besagte Idee von dem besonderen Ort – eine Musikschule wollte das Trio gründen, die nicht eine reine Wissensvermittlungsanstalt sein sollte. Vielmehr wollten sie dort ihre eigene Begeisterung für Musik an möglichst viele Menschen weitergeben.

Auf ihrer Suche nach einer geeigneten Location für ihr Vorhaben wurden sie am Grünen Weg in der Soers fündig. Eine ehemalige Fabrik – vor ewigen Zeiten vom Großvater Anne Franks geführt – sollte künftig ihre Schule beheimaten.

„Als wir die Räumlichkeiten zum ersten Mal sahen, war alles ziemlich runtergerockt und sanierungsbedürftig“, erinnert sich Thomas Berndt. „Ein paar Punks hatten hier Probräume, zudem gab es eine Druckmaschine, auf der kommunistische Pamphlete vervielfältigt wurden.“

Dennoch waren sich er und seine beiden Mitstreiter sofort sicher, dass ihre Idee in diesem Backsteinbau Wirklichkeit werden könnte. Und passend zu dessen vorheriger Bestimmung wurde auch der Name des Ganzen gewählt: „Musikfabrik“, später zu einem kurzen und knackigen „mufab“ gewandelt.

Schritt für Schritt große Ideen realisieren
In der Gegenwart erinnert nichts mehr an die Zustände der frühen Tage. Dass alle Räume der Musikschule heute freundlich, einladend und lichtdurchflutet daherkommen, ist vor allem ihren drei Gründern zu verdanken.

Nahezu alle Umbaumaßnahmen haben sie seit dem ersten Tag in Eigenregie geregelt. Horst Schippers: „Jede Schraube hier haben wir bis vor kurzem selbst reingedreht. In den ersten beiden Jahren haben wir morgens bis um 11 gebaut, kurz geduscht und dann bis in den Abend unterrichtet.“ Seit dem Ende dieser kräftezehrenden Phase erstrahlt ihre Schule im bis heute sichtbaren Glanz.

Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch lange nicht erreicht. Ständig wälzen die beiden verbliebenen Schulleiter – Markus Bothe hat sich vor einiger Zeit aus der Leitung zurückgezogen, ist der Schule aber als Dozent erhalten geblieben – neue Ideen.

„Im Grunde spinnen wir uns hier jeden Tag gegenseitig an“, sagt Thomas Berndt. Aus diesen Spinnereien werden oftmals spannende Projekte. Think big, lautet das Motto. Aber auch: Schritt für Schritt.

Seit kurzem gibt es eine Big Band, eine Funk Combo soll folgen. Der Klassikbereich der Schule soll ausgebaut und in naher Zukunft eine Veranstaltungsreihe in den Räumen etabliert werden.

Party mit VoG-Finalistin Debbie Schippers
Dass seit der Eröffnung dieser Räume mittlerweile zehn Jahre vergangen sind, soll Anfang September aber erst einmal anständig gefeiert werden – wie es sich für eine Musikschule gehört mit massig Live-Musik.

Verschiedene Bands aus dem Umfeld der mufab und ihrer Dozenten werden dabei auftreten, Big Band und Chor der Schule, Schülerbands und nicht zuletzt Debbie Schippers, Patenkind des mufab-Mitgründers Horst und im vergangenen Jahr Finalistin bei „The Voice of Germany“.\